Blu- Das Smartphone fürs Handgelenk

Mit indiegogo soll momentan ein flexibles Smartphone finanziert werden

Allgemein

Durrell Pita, der Gründer dieser Crowdfunding Kampagne, hat sich ein innovatives Projekt überlegt: Blu, so der Name des Smartphones, soll flexibel genug sein, um wie ein Armband um das Handgelenk getragen zu werden.

Während  funktionierende und (einigermaßen) ansehnliche Smartwatches erst seit einiger Zeit real sind und langsam Einzug in unseren Alltag erhalten, soll mit Blu bereits der nächste Maßstab gesetzt werden. Dieses Projekt möchte ein vollwertiges Smartphone mit leistungsfähiger Hardware bauen, welches Smartwatches überflüssig machen würde. Mal unabhängig davon, wie realistisch diese Umsetzung in den nächsten Jahren ist, möchten wir euch dennoch diese innovative und interessante Idee vorstellen.

Das Blu bestitzt ein Flexible Organic Light Emitting Diode (F-OLED) Display, welches (u.a.) dem Gerät die Möglichkeit verleiht, zu einem 5.5” großen Kreis biegen zu lassen. Übrigens: Das Display soll dennoch äußerst haltbar und strapazierfähig sein, weder ein Hammer noch ein Sturz aus größerer Höhe sollen ihm etwas anhaben können. Logischerweise muss auch der Rest des Telefons flexibel sein, doch die Kampagne macht auch hierzu entsprechende Angaben, bspw. in Form eines flexiblen Akkus (ca. 4800 mAh insgesamt).

Für ein weiteres “Wow” verspricht der Lautsprecher zu sorgen- wobei, genau genommen, am Blu überhaupt kein sichtbarer Lautsprecher vorhanden ist. Stattdessen soll ein ‘surface mount transducer’ für einen 360° Sound sorgen.

Das wearable Smartphone besitzt weder einen Kopfhörereingang noch einen Lade/USB-Port. Insgesamt sind keinerlei Anschlussmöglichkeiten vorhanden. Geladen wird das Gerät also wireless, via ‘wireless power induction’.Dies ist uns gerade in den letzten Monaten vor allem durch Samsung ein Begriff geworden. Die Datenübertragung soll scheinbar durch NFC stattfinden, was uns allerdings etwas merkwürdig vorkommt, da die Datenübertragungsrate sehr gering ist.

Da das Blu also nicht über eine Öffnung verfügt und auch, weil das Gerät nicht nur auf der Arbeit und beim Fernsehen getragen werden soll, muss es natürlich einerseits extrem haltbar (s.o.) und andererseits natürlich wasserfest sein- andernfalls wäre es für Bewohner gewisser regenreicher Regionen und/oder stark sportbegeisterten Menschen wohl sehr unpraktikabel.

Auch im Bereich Usability und Individualisierung hat sich der Founder etwas überlegt: Zum einen ist eine Lichtleiste verbaut, die Auskunft über Anrufe, Messages und andere Benachrichtigungen gibt. Darüber hinaus hat diese Light Bar einen Standby-Modus: Ein User kann, wenn er möchte, also seine Lieblingsfarbe auswählen und diese so um sein Handgelenk tragen. Auch das Display kann in einen Stanby-Modus mit Bildschirmschoner versetzt werden: ‘Vibrant eye catching graphics all day long’ werden versprochen. Die Frage ist allerdings, was der Akku davon halten würde.

Neben dieser Light Bar verspricht auch das User Interface großartig zu sein: Gestenorientiert soll es den Winkel des Handgelenks erkennen, um die Ausrichtung der angezeigten Inhalte entsprechend anpassen zu können.

gesture UI 1

Beispiel des Gesture Orientated User Interfaces zum Zeitpunkt 1.

gesture UI 2

Beispiel des Gesture Orientated User Interfaces zum Zeitpunkt 2: Mit dem Winkel ändert sich das Anzeigebild.

Neben den obigen, ungewöhnlichen Eigenschaften, dürfen natürlich auch die übrigen Spezifikationen nicht fehlen: Im Andriod-basierten Blu würden ein Snapdragon 810 und 4 GB RAM stecken, 128 GB gäbe es intern. Das Smartphone-Armband hätte ein Gewicht von 170 Gramm bei einer Abmessung von 254 x 55 x 4.5 mm, benötigte eine Nano-SIM und würde Fotos mit 13 MP knipsen- allerdings ohne Blitz. Das Display wäre ungewöhnliche 5.3” groß- und das Blu damit ein Phablet.

Momentan ist es noch möglich, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. Hier findet ihr die entsprechende indiegogo-Seite. Leider läuft das Crowdfunding nur noch 9 Tage, wobei der Großteil des Geldes noch fehlt.

 

Kommentar

Die Idee ist faszinierend. Gar keine Frage. Etwas wirklich vergleichbares gibt es bisher nicht- innovativ ist das Projekt also in jedem Fall. Doch mir persönlich stellt sich die Frage, wie praktiksch es überhaupt sein würde, könnte ich mein Smartphone um mein Handgelenk tragen. Würde ich telefonieren wollen, würde das zu ziemlich uneleganten und auch anstrengenden Verrenkungen führen- in diesem Szenario würde ich das Smartphone also in jedem Fall abnehmen müssen. Würde ich eine Nachricht schreiben oder auch nur etwas im Internet suchen wollen, würde ich mich ebenfalls für das Abnehmen des Smartphones entscheiden, um nicht im Einfinger-Suchssystem zehn Minuten für die Eingabe eines Wortes zu benötigen. Würde ich ein Video anschauen wollen, würde ich das Gerät ebenfalls in nicht getragener und damit ausgerollter Größe betrachten wollen, um vom 5.3” Display profitieren zu können. Natürlich gibt es auch brauchbare Szenarien, in denen es gar nicht schlecht wäre, sich sein Smartphone um das Handgelenk binden zu können. Dazu zählen beispielsweise all jene Momente, in denen man das Gerät nicht aktiv nutzt. So müsste es nicht in der Hosen- oder Jackentasche, im Rucksack oder der Handtasche verstaut werden, der Benutzer wüsste genau, wo sein Smartphone ist, hätte es im Blick und müsste es nicht in den Tiefen seines Beutels suchen. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie einfach die Umwicklung des Handgelenks zu lösen ist, vor allem in Hinblick auf öffentliche Verkehrsmittel zur Rush Hour in einer Großstadt und des beliebten Smartphone-Diebstahl.

Zum anderen bleibt die Frage, wie realistisch die Umsetzung eines solchen Geräts ist. Wäre die serielle Fertigung leistungsfähiger und trotzdem flexibler Komponenten überhaupt möglich? Die versprochenen Features klingen, wie gesagt, toll und möglicherweise etwas zu toll um in den nächsten wenigen Jahren für die breite Masse verfügbar zu sein.

A propos breite Masse. Die Öffentlichkeit hat erst vor weniger Zeit verschiedene Smartwatches vor die Nase gesetzt bekommen und es scheint, als wäre den Menschen (noch) nicht so recht bewusst, wofür sie so eine Smartwatch überhaupt brauchen sollten. Wobei es noch zu früh ist, wirklich Aussagen darüber treffen zu können, aber dennoch: Gerade die Apple Watch hat schwächer eingeschlagen als erwartet und von Apple gehofft. Vielleicht benötigt die Öffentlichkeit auch einfach noch ein bisschen Zeit bis sie bereit ist, die Nützlichkeit einer Smartwatch anzuerkennen (und sich mit dem Gedanken anzufreunden, noch etwas mehr Geld für portable, elektronische Geräte ausgeben zu “müssen”). Und möglicherweise wäre das Publikum dann irgendwann bereit, das Smartphone selbst am Arm zu tragen.

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Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von   Kim Salisch vor 2 Jahre, 5 Monate.

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