Das MeeGo-Smartphone Nokia N9: Sterbende Schönheit

MeeGo

Das erste MeeGo-Gerät von Nokia ist auch das letzte – leider, denn bei dem Smartphone haben die Finnen vieles richtig gemacht. Heißt: Der Look des Lumia 800 kombiniert mit größerem Display, mehr ROM und vielem mehr.

In Großbritannien ist das erste Windows Phone-Gerät von Nokia, das Lumia 800, bereits ausverkauft, und das nur zehn Tage nach dem Erscheinungsdatum. Einen großen Anteil am Erfolg hat sicherlich das wirklich gelungene Design mit dem gewölbten Edge-to-Edge-Display. Dass mit dem N9 seit kurzem noch ein weiteres Smartphone von Nokia mit der gleichen Optik auf dem Markt ist, ging bei all dem Rummel ums Lumia fast unter. Die mangelnde Beachtung hat aber auch seine Gründe, denn erstens verkauft Nokia das schicke Gerät weder hierzulande noch in den USA, zweitens kommt es mit einem Betriebssystem, das man vielleicht auf keinem anderen Smartphone jemals finden wird: MeeGo.

Ausstattung: das bessere Lumia 800

Die 8-MP-Kamera hat ein Carl-Zeiss-Objektiv

Doch von vorne. Das N9 misst 116,5 x 61,2 x 7,6 (an der dünnsten Stelle) –12,1 mm (an der dicksten Stelle) und wiegt 135 Gramm, was bei der Größe völlig in Ordnung geht. Trotz der größeren Abmessungen ist es nochmals sieben Gramm leichter als das Lumia 800. Das Gehäuse ist aus Kunststoff (Polycarbonat) gefertigt. Umweltschutz wird bei Nokia großgeschrieben, alle eingesetzten Materialien sind vollständig recyclebar. Das 3,9 Zoll-Display mit kratzfestem Gorilla Glas löst mit 854 x 480 Pixeln auf. Zum Vergleich: Das Lumia 800 hat einen 3,7 Zoll-Bildschirm mit 800 x 480 Pixeln, bei der Pixeldichte ist der Unterschied nicht der Rede wert (251 vs. 252 ppi). Dank „Clear Black“-AMOLED-Technologie wirken die Farben sehr satt und kräftig; die Helligkeit wird automatisch angepasst und ermöglicht ein gutes Ablesen auch bei direkter Sonneneinstrahlung.

Unter der Haube hat das Smartphone einen Texas Instruments OMAP-1 GHz-Single-Core-Prozessor, der von einem 1 GB großem Arbeitsspeicher unterstützt wird. Der interne Speicher ist wahlweise 16 oder 64 GB groß. Auch hier sticht es das Lumia 800 wieder aus, das mit nur mit maximal 16 GB ROM kommt. Wie im Windows Phone-Gerät kommt auch beim N9 eine 8-Megapixel-Kamera mit Carl Zeiss-Objektiv und Dual-LED-Blitz  zum Einsatz, die Videos in HD (720p) dreht. Es gibt auch eine 1,3MP-Frontkamera, die allerdings leider weder mit der Kamera- noch mit der Skype-App genutzt werden kann. Der 1450 mAh-Akku sorgt laut Hersteller für Gesprächszeiten von 11 Stunden im GSM und und 7 Stunden im UMTS-Modus. Neben den üblichen Verbindungsstandards ist das N9 auch mit der Nahfunktechnologie NFC ausgestattet, was unter anderem bargeldloses Zahlen ermöglicht. Außerdem lässt sich das N9 als Wlan-Hotspot nutzen.

Bis zu neun Apps lassen sich in der Übersicht anzeigen; Quelle: Andreas Proschofsky/Der Standard.at

MeeGo – Swipen ist Trumpf

Nun zum eigentlich Besonderen des Geräts: Nokia hat dem N9 nicht etwa Symbian Belle oder Windows Phone, sondern das MeeGo-OS spendiert. Das quelloffene Betriebssystem basiert auf Linux und läuft bisher ansonsten auf dem „WeTab“-Tablet von 4tiitoo und auf dem Netbook „EeePC X101“ von Asus. Im Februar 2010 hieß es beim Start der Kooperation von Nokia und Intel noch, man wolle die Branche revolutionieren.Doch nachdem die Finnen Anfang dieses Jahres bekannt gaben, dass man künftig auf Windows Phone setzen würde, bedeutete dies auch das Aus von MeeGo bei Nokia, ehe das erste Smartphone überhaupt erschienen ist. Immerhin will der Hersteller die Plattform bis 2015 unterstützen, doch ist fraglich, was dies bedeutet. Dass die MeeGo-Geschichte in meinen Augen eine vertane Chance von Nokia ist, habe ich bereits in einem anderen Beitrag erwähnt.

Denn abgesehen vom niedrigen App-Angebot (ca. 500 Apps – sogar Windows Phone hat

Der Benachrichtungsscreen auf dem N9; Quelle: Andreas Proschofsky / Der Standard.at

bereits etwa 35.000) macht das Betriebssystem auf dem N9 eine wirklich gute Figur. Die Bedienung ist intuitiv erlernbar und läuft schnell und sehr flüssig, einzig gelegentlich auftretende Hänger trüben den Eindruck. Wischen, beim N9 genannt „Swipe“, ist hier Programm, denn es gibt weder physikalische noch virtuelle  Navigationsbuttons. Swipet man in einem geöffneten Programm beispielsweise von ganz links nach ganz rechts, wird dieses in den Hintergrund verschoben und man gelangt auf den Homescreen. Zum Schließen muss man das Programm ganz nach unten ziehen. Es gibt drei Homescreens, einen mit allen installierten Programmen, einen mit allen laufenden Anwendungen (hier können bis zu neun Apps zugleich angezeigt werden) und einen Benachrichtungsscreen, der auch Uhr und Wetter anzeigt. Der Lockscreen informiert über verpasste Anrufe und eingehende SMS, mit dem Update auf Version 1.1 kann auch Musik vom Startbildschirm aus gesteuert werden. Browser, Musikplayer mit Ovi Music-Anbindung und Kamera-App können mit der Android- und iOS-Konkurrenz mithalten, toll ist auch die integrierte OviMaps-App von Nokia mit umfangreichen Kartenmaterial. Negativ fallen die mangelhafte Twitter-App (kein Hochladen von Fotos möglich) und die fehlende Google Kontakt- und Kalender-Synchronisationsmöglichkeit auf. Auf beliebte Apps wie Barcode-Scanner, Soundhound oder Messenger-Programme wie WhatsApp, MSN oder ICQ muss man ebenfalls verzichten.

Fazit & Verfügbarkeit

Und die Moral von der Geschicht`? Kauf das N9 besser nicht? Kann man so nicht sagen. Wer sich für das Smartphone entscheidet, bekommt ein hochwertiges, wunderschönes und schnelles Gerät. Man muss sich nur klarmachen, dass MeeGo aller Voraussicht nach derzeitigem Stand keine Zukunft hat und das sehr überschaubare App-Angebot wohl nicht mehr groß aufgestockt wird. Wem das egal ist, der hat bei uns im 7mobile.de-Shop die Chance, sich mit dem N9 (als EU-Ware) ein Smartphone zu sichern, das gewissermaßen ein Unikat in der Mobilfunk-Geschichte ist.

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