Nokia: Es geht den Bach runter

Handy

Nach Sony Ericsson geht es auch bei Nokia zur Zeit richtig bergab: Die Finnen haben im zweiten Quartal einen Verlust von 487 Millionen Euro zu beklagen. Ist das die Quittung für den sturen Android-Boykott und die seltsame N9-Strategie?

Anfang der Woche berichteten wir über die Krise von Sony Ericsson, jetzt veröffentlicht mit Nokia der nächste skandinavische Hersteller grottenschlechte Quartalszahlen. Eine Gewinnwarnung (war das nicht mal „Unwort des Jahres“?) gaben die Finnen schon im Mai aus. Vor allem im „Endgeräte“-Bereich geht’s bergab: Während im Vorjahr im zweiten Quartal 111 Millionen Handys und Smartphones verkauft werden konnten, wurden diesmal nur 88,5 Millionen und damit 20% weniger Geräte an den Mann gebracht. Allein im Smartphone-Sektor muss Nokia Einbußen um 34%  hinnehmen, statt 25,2 Millionen fanden diesmal nur 16,7 Millionen N-,E- und C-Serien-Nokias einen neuen Besitzer zwischen April und Juni. 2010 konnte man noch einen Gewinn von stolzen 439 Millionen Euro angeben, jetzt sind es 487 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz ging zudem um 7% auf 9,3 Milliarden Euro zurück.

Dass es für den Handyriesen soweit kommen konnte, ist für mich das Ergebnis zweier fragwürdigen Entscheidungen.

Die Fehler der Finnen

1. Das sture Verweigern von Android

Wie wir in diesem Artikel schrieben, explodiert die Verbreitung von Android regelrecht im Moment. Zu blöd, dass Nokia so lange am verkorksten Symbian festhielt, das gerade in der halbherzigen Version Anna vorliegt. Zwar wird man bald auf Windows Phone umsteigen, doch ob das wirklich an der Vorherrschaft von Googles Android und Apples iOS kratzen kann, ist zumindest fraglich. Und das obwohl Google Nokia die Zusammenarbeit anbot und, wie der damalige Chef Eric Schmidt im Februar erklärte, sogar versuchte die Finnen von Android zu überzeugen. Jetzt heißt es nur hoffen und bangen, ob das den Aufschwung für Nokias Smartphonesektor bedeutet.

2. Die N9/MeeGo-Strategie

Im Grunde ist das N9 ja wirklich ein spannendes Gerät, besonders gepaart mit dem Linux-basierten OpenSource-Betriebssystem MeeGo, das aus der Zusammenarbeit von Nokia und Linux entstanden ist. Wir berichteten an dieser Stelle schon einmal über das schicke Gerät, das u.a. mit drei Startbildschirmen, AMOLED-Touchscreen-Display, einer 8 Megapixel-Kamera und bis zu 64 Gigabyte internem Speicher aufwarten soll. Das Problem: Nicht nur verzögert sich der Einführungstermin stetig, laut mobiflip.de ist noch nicht mal sicher, ob das Gerät überhaupt auf dem deutschen Markt eingeführt wird. Ob es zu uns kommt oder nicht, wohl oder übel wird es noch dazu sowieso das einzige Nokia-Gerät mit MeeGo bleiben, denn in Zukunft wird ja wie erwähnt auf Kachel-Look gesetzt. Meiner Ansicht nach eine vertane Chance, denn MeeGo hätte durchaus das Zeug zum ernsthaften Android-Konkurrenten. Zumindest soll sich das auf den Projektnamen „Sea Ray“ getaufte Windows Phone-Gerät äußerlich am N9 orientieren und einige Highlights wie die verschiedenen Startbildschirme übernehmen.

Marktführer sind die Finnen zwar immer noch, und CEO Stephen Elop sprach von „sichtbaren Fortschritten“ in ihrer Marktstrategie, nur viel mehr Fehler sollten sie sich nicht mehr erlauben.

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