14. Juli 2011 Autor: Andreas Müller

RIM: Ein Riese in der Krise – aber warum eigentlich?

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Erst im Juni sorgte Blackberry-Hersteller RIM mit miesen Umsatzzahlen und angekündigte Entlasssungen für Schlagzeilen gesorgt, nun verzögert sich die Markteinführung der aktuellen Modelle. Was ist los mit dem früheren Smartphone-Marktführer? Wie und wieso konnten Samsung und Apple ihnen den Rang ablaufen?

 

Blackberry-Hersteller RIM macht sich derzeit wenig Freunde. Erst feuern die Kanadier ihre Mitarbeiter wegen übler Quartalszahlen, jetzt müssen auch noch die Kunden länger aufs Erscheinen der neuesten „Blackberry Bold“-Modelle warten. RIM scheint Panik zu haben, weiter gegenüber den Marktführern Apple und Samsung an Boden zu verlieren und zum nächsten Nokia zu werden. Laut der Financial Times Deutschland bastelt der Hersteller daher derzeit an einem neuen Betriebssystem, welches in den „Bold“-Modellen zum Einsatz kommen soll. Damit es gegen Android und Apples iOS eine Chance hat, lässt man sich bei der Entwicklung nun bewusst mehr Zeit.
Doch woher kommt die sinkende Popularität eigentlich, was hat der einstige Smartphone-Riese bei den letzten Handys falsch gemacht?

 

Das sind die aktuellen Blackberrys

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Blackberrys von heute. Im 7mobile-Shop gibt’s zurzeit die neuesten Modelle der Curve-, Bold-, – und Torch-Serie. Allen Geräten gemeinsam ist die Kombination aus Business- und Multimediafunktionen, d.h. sie richten sich sowohl an Geschäfts- und Privatkunden. Bei allen Modellen ist das hauseigene Betriebssystem Blackberry OS 6 ebenso an Bord wie UMTS, GPRS und EDGE-Zugang. Office-Docs können mit „Documents to go“ nicht nur gelesen, sondern auch editiert und erstellt werden. Außerdem besitzen sie einen E-Mail-Client, Social-Media-Apps und einen Mediaplayer.
Das Curve 3G 9300 ist dabei die Einsteiger-Version und zugleich das leichteste (104 Gramm) und kleinste (109x60x13,9mm) der drei Smartphones. Weitere Ausstattungsmerkmale sind die QWERTZ-Tastatur, ein 2,5 Zoll großes TFT-Display mit 320×240 Pixel,  eine 2.0-Megapixel-Kamera. Der Akku verabschiedet sich nach 5,5 Stunden Telefonieren im UMTS-Modus. Der interne Speicher ist 256 MB groß, dazu gibt’s noch eine MicroSD-Karte mit ebenfalls 256 MB.
Das Bold 9780 liegt bei fast gleichen Abmessungen (109x60x14mm) minimal schwerer in der Hand (122 Gramm) und ist von der Ausstattung her die große Schwester des Curve. So wächst der interne Speicher auf 512 und die SD-Karte auf zwei Gigabyte und der Akku liefert eine halbe Stunde mehr Gesprächszeit. Das Display löst bei gleicher Größe wie das Curve mit 480×360 Pixel höher auf und die Kamera hat drei Megapixel mehr zu bieten.
Das Flaggschiff der aktuellen Blackberrys ist allerdings das Torch 9800, welches als erstes Smartphone von RIM sowohl Touchscreen als auch Tastatur bietet. Diese wird einfach ausgezogen, im zugeklappten Zustand bleiben die Maße im Bereich der anderen Modelle (111x62x14,6). Dafür ist das Torch nochmals etwas gewichtiger (161,1g). Der Touchscreen hat eine Diagonale von 3,2 Zoll, was für merklich mehr Platz auf dem mit 480×360 Pixel auflösenden Display sorgt. Die Akkulaufzeit ist wiederum etwas geringer als beim Bold, immerhin sind UMTS-Telefonate bis 5,8 Stunden möglich. Der interne Speicher ist 512 MB, der externe 4 Gigabyte groß. Wir hatten das Smartphone hier schon genauer unter die Lupe genommen.

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Das fehlt den aktuellen Blackberrys
Eines steht fest: Was die Verarbeitung, Konnektivität und Business-Funktionen ihrer Smartphones betrifft, kann man RIM keinen Vorwurf machen. In diesen Bereichen spielen die Blackberrys sicher ganz vorne mit. Doch genügen diese Merkmale den Ansprüchen heutiger Smartphone-Nutzer? Sicherlich kann man beispielsweise die bescheidenen Kameras mit niedriger Foto- und Videoauflösung (maximal 640×480 im Torch) und die verhältnismäßig kleinen Speicherkapazitäten bei Business-Smartphones noch verschmerzen.
Doch bereits was das Display betrifft, könnte sich RIM von den Kollegen Samsung und Apple wirklich eine Scheibe abschneiden. Sowohl das Galaxy S2 als auch das iPhone 4 können mit größeren, schärferen und kontrastreicheren Bildschirmen aufwarten. Office-Arbeiten und Surfen wird bei besonders bei den Mini-Displays der Bold- und Curve-Smartphones schnell zur Qual für die Augen. Und selbst Geschäftskunden möchten sich vielleicht in der U-Bahn mal ein Youtube-Video gönnen oder die letzten Urlaubsfotos nochmal durchsehen. Da kann ein Retina- und AMOLED-Display eine wahre Offenbarung sein. Vielleicht sollte RIM mal eine Umfrage starten, wie wichtig den Kunden in Zeiten von Swype und Co. noch eine physische Tastatur ist, für die zumindest beim Curve und beim Bold jede Menge Displaygröße verloren geht.
Dass sich am Betriebssystem etwas ändern muss und auch wird, erwähnte ich schon eingangs, doch auch die Rechenleistung könnte höher sein. Das Torch kann zwar schon 624 Mhz bieten, die aber im Vergleich mit dem Dual-Core-Prozessor von Samsung mit 1,2 Ghz beim Multitasking und bei der Navigation doch alt aussehen. Ganz zu schweigen von der Akkulaufzeit, bei welchem sich Torch, Bold und Curve beim Dauertelefonieren ebenfalls weit hinter iPhone und Galaxy anstellen muss.
RIM sollte sich demnach mal überlegen, seinen Blackberrys mal eine Generalüberholung zu spendieren, denn mit Apples neuem Dienst „iCloud“ steht RIM schon der nächste Nackenschlag bevor. Dieser macht die Synchronisation von einzelnen Geräten überflüssig, denn alle Daten werden in die „Wolke“, ein Rechennetzwerk geladen, auf welches der Kunde mit iPhone, Macbook & Co gleichermaßen zugreifen kann. Für alle vom ständigen Synchronisieren genervten Krawattenträgern sicherlich ein Argument mehr, entgültig von der Schwarzbeere zu den Apfel-Brüdern überzulaufen.

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