Von Walli Rehman am

Hoher Preis, gute Leistung?

Das Huawei P9 im ausführlichen Test: Bestes Kamera-Smartphone?


Das Huawei P9 ist das offizielle Flaggschiff-Smartphone des chinesischen Herstellers. High-End-Hardware ist im Huawei P9 verbaut und außerdem gibt es einige interessante Features, insbesondere die Kamera betreffend. Doch kann das Flaggschiff damit überzeugen? Erfahrt es in unserem ausführlichen Test.

Weitere Huawei P9 Fotos
  • hochwertige Verarbeitung
  • kompakt trotz 5,2 Zoll
  • hervorragendes IPS-Display
  • schneller Fingerabrucksensor
  • USB Typ C
  • schwacher Akku
  • Algorithmus für Tiefenunschärfe ungenau
  • keine UHD-Videos und Zeitlupenvideos
  • Kein kabelloses Laden

7mobile Bewertung

Gut (81%)
Telefon und Akku: 60%
Internet: 80%
Multimedia: 85%
Handling: 88%
App-Store: 90%

Huawei P9 im Test: Alles gold, das glänzt?

Optik & Design

Beim Design konnte uns Huawei bisher oft mit hochwertiger Verarbeitung überzeugen. Wie sieht es mit dem aktuellen Flaggschiff aus?

Das P9 kommt wie sein Vorgänger in einem „Block-Design“. Rein äußerlich ist das P9 mit eben jenem Design klar als Huawei-Smartphone zu identifizieren. Das Telefon ist 72 mm breit, 145 mm hoch und 7 mm dick. Das Gewicht beträgt 145 Gramm, ein angenehmes Mittelmaß. Das Gehäuse besteht rundum aus Aluminium, das an den Kanten abgeschliffen ist. Es fühlt sich solide, kompakt und fest an und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Die Tasten wackeln nicht, die Kamera steht nicht hervor und der Rahmen lässt sich nicht zusammendrücken. Knarzen und Krachen gibt es zur Folge ebenso nicht. Insgesamt betrachtet konnte die Optik des P9 also sehr überzeugen – haptisch sowie qualitativ. Was noch zu bemerken ist: Die Farbvariante grau, die wir in unserem Test zur Verfügung gestellt bekommen haben, hatte einen leicht rötlichen Stich und ließ das Smartphone in manchen Situationen eher kupferfarben aussehen, was wir aber nicht als störend empfunden haben. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch der platzgreifende Leica-Schriftzug auf der Kamera, der dem minimalistischen Design entgegenwirkt. Außerdem kam es bei der Benutzung oft vor, dass man beim flüchtigen Herausziehen aus der Hosentasche nicht erkennen konnte, wie rum das Smartphone gehört. Gerade wenn man beim Musik hören die Lautstärke mal eben ändern will, kann die Suche nach den entsprechenden Tasten länger dauern, weil man zunächst herausfinden muss, wo Ober- und Unterseite des Geräts sind.

Huawei-P9-Rückseite-12

Das steckt beim Huawei P9 unter der Haube

Technischer Test des Huawei P9

Das Design konnte bereits überzeugen, doch um das Paket rundum perfekt zu machen, müssen die inneren Eigenschaften genauso überzeugen. Wir haben das Huawei P9 im Hinblick auf Performance, Display und Kamera getestet.

Performance

Da es sich beim Huawei P9 um ein High-End-Smartphone handelt kann man auch von einer soliden Performance ausgehen, oder?  Ja, der Prozessor HiSilicon Kirin 955 sorgt zusammen mit dem 3 GB großen Arbeitsspeicher für ein flottes Tempo im Alltag. Doch auch darüber hinaus, wie zum Beispiel bei aufwendigeren Aufgaben wie 3D-Spielen (Asphalt, NOVA), zeigt sich das Smartphone zuverlässig. Im AnTuTu-Benchmark erreichte unser Testgerät einen Wert von 97.719 Punkten und im Geekbench 3 erzielte es einen Single-Core-Wert von 1.776 (Multi-Core: 6.651). Das Huawei P9 ist sehr schnell und absolut zuverlässig in der Bedienung, kommt jedoch nicht ganz an die Leistung eines Snapdragon 820 oder Exynos 8890 heran. Dem Normalverbraucher wird dies jedoch nicht auffallen und schon gar nicht stören. Die hauseigene Benutzeroberfläche Emotion UI ist für Android-Nutzer zwar etwas gewöhnungsbedürftig, erfüllt aber ihren Zweck. Sie ist funktional und minimalistisch ausgelegt, wie es bei Apples mobilen Betriebssystem iOS ebenfalls ist. So gibt es beispielsweise auch keine App-Übersicht; die Apps werden direkt auf dem Startbildschirm abgelegt. Wem das nicht gefällt, lädt sich einfach einen alternativen Launcher im Play Store herunter.

Was uns nicht begeistern konnte, war die Akkuleistung. Und das, obwohl die Huawei-eigene Software sehr oft und stark durch das Beenden von Programmen nachoptimiert, bei dem auch schon mal Banking- Messaging- und News-Apps beendet werden, die dann keine Benachrichtigungen mehr ausspielen können.* Die Akkukapazität steigt von 2.600 mAh (Vorgänger Huawei P8) nun auf 3.000 mAh angestiegen ist, die App-Handhabung ist weiterhin aggressiv – Verbesserungen schafft das allerdings nicht. Im Test schaffte es das P9 bei durchschnittlicher Nutzung kaum über die Hälfte des Tages. Bei intensiver Nutzung musste es schon nach etwa 3 Stunden aufgeladen werden. Aufgeladen wird das für seine Displaygröße sehr kompakte Smartphone über einen Stecker in USB Typ C-Form, der neben seiner beidseitigen Einsteckbarkeit zahlreiche Vorteile mit sich bringt und daher nicht umsonst als neuer Zukunftsstandard für Anschlüsse gehandhabt wird, allerdings zugegebenermaßen noch nicht ist (mehr dazu: USB C – der neue Zukunftsstandard). Wireless-Charging bietet das P9 leider nicht. Der auf der Rückseite verbaute Fingerabdrucksensor funktioniert tadellos und weiß mit seiner Geschwindigkeit zu begeistern. Der interne Speicher beträgt 32 GB und lässt sich via MicroSDXC-Karte erweitern.

*Apps können im Telefonmanager als „geschützt Apps“ markiert werden, sodass sie im Hintergrund weiterlaufen. Dies funktioniert allerdings nicht immer reibungslos.

Huawei-P9-SD-3

Display – farbechter als das Samsung Galaxy S7

Beim Huawei P9 haben wir es mit einem 5,2 Zoll großen IPS-Diplay zu tun, das mit 1.920 x 1.080 Pixeln, also Full-HD, auflöst. Dieses Display konnte mit seinen stabilen Blickwinkeln, den kontrastreichen Farben und einer maximalen Helligkeit von 565,7 Candela pro Quadratmetern sehr überzeugen. Die Full-HD-Auflösung mag im Vergleich zur Konkurrenz zwar nicht mehr zeitgemäß wirken, bietet jedoch mit 421 ppi eine mehr als ausreichende Schärfe. Und genau darauf kommt es letztendlich auch an. Im Vergleich zum Display des Galaxy S7 fällt deutlich auf, dass es beim Neigen des Geräts keinen Grünstich gibt. Die Vorteile der IPS-Technologie liegen klar auf der Hand: Die Farben wirken kräftig und trotzdem natürlich – wo das Galaxy S7 übersättigt, der Inhalt wirkt durch die optische Laminierung mit dem Displayglas wie gedruckt. Zwar können die Schwarzwerte aus technischen Gründen nicht mit denen eines AMOLED-Panels mithalten, sind für ein IPS-Display jedoch sehr gut und unserer Meinung nach auf dem Niveau eines iPhone 6s. Die starke Helligkeit sorgt dafür, dass man auch bei Sonneneinstrahlung noch alles problemlos ablesen kann. Insgesamt ein sehr schönes Display, das in unseren Augen keine Schwäche aufweist.

Huawei-P9-Display-4

Kamera

Ein besonders großes Augenmerk wurde in diesem Jahr auf die Kamera bei den Huawei-Geräten gelegt. So erhält auch das Huawei P9 eine Kameratechnologie, die mehr oder weniger mit dem deutschen Traditionshersteller Leica entwickelt wurde. Bei der Präsentation wurde hervorgehoben, dass das Smartphone Bilder in gewohnter Leica-Qualität bietet. Hier gilt es allerdings zu wissen, dass Leica selbst keine Kamerasensoren herstellt und die Beteiligung somit nur softwareseitig existiert. Doch womit haben wir es hier überhaupt zu tun? Verbaut sind, wie man auf den Bilder unschwer erkennen kann, gleich zwei Linsen mit jeweils eigenem Sensor und einer Blende von f /2.2. Während der eine Sensor das Licht ganz normal auffängt, verzichtet der andere auf die Farben und fängt lediglich die Schwarz-Weiß-Informationen auf. Insgesamt soll so mehr Licht und somit mehr Informationen gesammelt werden, die für ein qualitatives Foto maßgebend sind. Das duale System soll außerdem die nachträgliche Fokusänderung ermöglichen. So weit die Theorie, doch wie schlägt sich die Kamera in der Praxis? Wie es sich für jeden Test gehört, haben wir ein paar Testbilder mit der Hauptkamera des Huawei P9 gemacht:

Dieses Vergleichsbild zeigt den Unterschied zwischen einer regulären und einer HDR-Aufnahme. HDR steht für High Dynamic Range (hoher Dynamikumfang) und ist für Situationen, in denen Teile des Bildes sehr hell und andere sehr dunkel sind, gedacht. Damit die hellen Bereiche des Bildes nicht ausbrennen und korrekt belichtet werden können und die dunklen gleichzeitig noch sichtbar bleiben, erstellt das Smartphone im HDR-Modus zwei Bilder mit jeweils angepasster Belichtung und kombiniert diese dann vereinfacht gesagt zu einem Bild. Bei unseren Testversuchen hat das sehr gut geklappt, der Himmel ist korrekt belichtet und nicht ausgebrannt und das Land nicht zu dunkel.

HDR: On/Off

HDR: Direktvergleich

Nutzer einer DSLR-Kamera schätzen die Möglichkeit der Tiefenunschärfe, mit der man wunderschöne Bokeh-Effekte zaubern kann. Obwohl Smartphone-Kameras stetig leistungsfähiger werden, gab es bisher noch keinen Taschenknipser, der ähnliche Bilder mit vergleichbarer Tiefenunschärfe schießen konnte. Huawei will dieses Problem mit seinen der Kamera im P9 gelöst haben. Im ,,Blenden-Modus“ kann man die Blende so verändern, dass ein unscharfer Hintergrund entsteht. Allerdings wird dies nicht mechanisch sondern künstlich durch Software realisiert. Im Test klappte dies nicht immer fehlerfrei.

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Die Kamera des P9 bietet über den normalen Modus hinaus noch einen manuellen Modus. Hier kann der Nutzer die Verschlusszeit, ISO (Lichtempfindlichkeit des Sensors), Belichtungsstufe und mehr einstellen. Die Blende lässt sich logischerweise auch nicht im manuellen Modus verstellen, da diese bei Smartphones fest ist. An sich ist die Idee eines manuellen Modus gut, aber mehr als das Bild heller und dunkler zu machen ist damit im Endeffekt auch nicht möglich. Insgesamt macht die Kamera des P9 gute Fotos. Wir sind jedoch der Ansicht, dass sie ihrem Hype, der um sie gemacht beziehungsweise versucht wurde, nicht gerecht wird. Am Ende des Tages ist die Bildqualität nicht signifikant besser als die eines Galaxy S7, HTC 10 oder LG G5. Was Videos angeht, ist das P9 leider nicht zeitgemäß ausgestattet. Die maximale Auflösung liegt bei 1.920 x 1.080 Pixeln, also Full-HD. Hier hätten wir uns über das UHD-Format gefreut. An dieser Stelle sei es noch einmal erwähnt: UHD ist NICHT 4K. Letzteres ist ein Kinoformat (17:9) und beinhaltet eine Auflösung von 4.096 × 2.160 Pixeln, wohingegen Ultra-HD ein 16:9-Format bietet und mit 3.840 x 2.160 Pixeln daherkommt.  Mangelhaft möchten wir den Zeitlupen-Modus benennen, der mehr als ruckelige Zeitlupenvideos erstellt. Das kann die Konkurrenz schon lange deutlich besser. Weitere Testfotos gibt es unter dem Punkt ,,Fotos“.

Beispielbilder des Huawei P9 – Test der Kamera

Testfotos mit der Hauptkamera

Hier seht ihr alle unsere Testfotos.

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Das Huawei P9 im Test: Gerät im Detail

Produktfotos

Ein schönes Smartphone ist das Huawei P9 allemal. Doch Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Verschafft euch durch unsere Fotos einen Eindruck von dem P9 (hier in der grauen Variante) und entscheidet selbst, ob es euch zusagt.

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Huawei-P9

Gutes Smartphone mit Luft nach oben

Fazit

  • hochwertige Verarbeitung
  • kompakt trotz 5,2 Zoll
  • hervorragendes IPS-Display
  • schneller Fingerabrucksensor
  • USB Typ C
  • schwacher Akku
  • Algorithmus für Tiefenunschärfe ungenau
  • keine UHD-Videos und Zeitlupenvideos
  • Kein kabelloses Laden

7mobile Bewertung

Gut (81%)
Telefon und Akku: 60%
Internet: 80%
Multimedia: 85%
Handling: 88%
App-Store: 90%

Das Huawei P9 ist ein rundum gutes, aber nicht perfektes Smartphone. Es bietet ein sehr hübsches Design, starke Hardware, eine gute Kamera, und ein schönes Display. Zusammen mit dem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis, erfüllt es fast alle Voraussetzungen für ein gutes Gesamtpaket. Getrübt wird das Bild des P9 jedoch durch die schlechte Akkulaufzeit und dem ein oder anderen fehlenden Feature wie UHD-Videos, oder kabelloses Laden. Dennoch halten wir das P9 für eine gelungene Weiterentwicklung des P8. Das chinesische Unternehmen hat wieder eindrucksvoll bewiesen, dass es mit den aktuellen Top-Herstellern Samsung und Apple mithalten kann.

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Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von   Walli Rehman vor 1 Jahr, 3 Monate.

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