Was hat Google vom Motorola-Verkauf an Lenovo?

Google

Unbenannt-1Google verkauft Motorola für nur 2,91 Milliarden an Lenovo – und das weniger als zwei Jahre nach der Übernahme. Wieso eigentlich?

Es war die Schlagzeile schlechthin am gestrigen Tag. Google trennt sich von Motorola und verkauft es an den chinesischen Hersteller Lenovo, die neben Smartphones auch für die ThinkPads bekannt sind, die sie einst von IBM übernommen hatten. Dafür muss Lenovo 2,91 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

15.000 Patente bleiben

Erinnern wir uns: Am 22. Mai 2012 wurde die Übernahme der Handysparte von Motorola besiegelt, die sich bereits im August des Vorjahres angebahnt hatte. 12,5 Milliarden Dollar blätterte Google hin, um „Motorola Mobility“ zu erstehen. Mit der Akquise gelang es Google allerding auch, 17.000 Patente zu erwerben – von denen werden nun lediglich 2.000 an Lenovo abgegeben. Auf den zweiten Blick gesehen hat Google das Motorola-Intermezzo zumindest einen Schutz vor Patentrechtsklagen erhalten, was der „Verteidigung des gesamten Android-Ökosystems“ dient, wie Larry Page erklärte. Man könne sich nun außerdem besser auf Android konzentrieren.

Mit seinem Markterfolg mit 16,86 Milliarden Dollar Umsatz und 3,37 Milliarden Dollar Gewinn allein im vierten Quartal 2013 (so die Zahlen von Google) sowie 58,72 Milliarden Dollar Barvermögen kann der Gigant aus Mountain View, Kalifornien, die Miese von 9,6 Milliarden Dollar gut auffangen. Dennoch bleibt man etwas verwundert zurück. Ging es Google wirklich nur um die Patente? Oder hatte man sich die Zusammenarbeit einfach erfolgreicher erhofft?

Nur Verluste mit Motorola Mobility

Mit dem Motorola Moto X hatte man im vergangenen Spätsommer doch viele Smartphone-Fans enttäuscht, die auf ein Superphone gehofft hatten. Stattdessen gab es ein solides Gerät der unteren Oberklasse, das noch dazu ständig am Mitlauschen ist. Jetzt kommt das Smartphone – etwas arg verspätet – im Februar auch zu uns, doch selbst bei der niedriger angesetzten UVP von 350€ und dem aktuellen Android 4.4, glaube ich, dass die Ausstattung (HD-Display, S4-Dual-Core-Prozessor, mittelmäßige 10 MP-Knipse) niemanden wirklich hinterm Ofen hervorlocken kann, zumal mit dem Google Nexus 5 ein „hauseigener“ Konkurrent mit weit besseren Specs zu fast dem gleichen Preis angeboten wird.

Motorola_MotoXDas Motorola Moto G ist in meinen Augen das attraktivere Paket, da es weitaus günstiger ist und der User dennoch lediglich auf NFC & LTE verzichten muss, ansonsten aber ein klasse Preis- & Leistungsverhältnis geboten bekommt. Dennoch, mit seiner Smartphone-Schiene verdiente sich Google keine goldene Nase, ganz im Gegenteil: Im vierten Quartal 2013 machte Motorola Mobility eine Miese von sage und schreibe 384 Milliarden Dollar. Da ist es vielleicht kein dummer Schachzug von Google, sich nach den übernommenen Patenten wieder loszueisen und Lenovo den Vortritt zu lassen, um sich selbst wieder ganz um Android zu kümmern.

Lenovo im Kommen

Ich bin mal gespannt, wie Lenovo da entgegensteuern will. Möglicherweise will man sich vor allem bei US-Kunden und in Lateinamerika mehr platzieren, wo Motorola dennoch weiterhin recht beliebt und präsent ist. Bereits im November hatte man angekündigt, auch in Europa anzugreifen. Mit dem Phablet-Bomber Lenovo Vibe Z hat man zuletzt schon ein Smartphone mit Erfolgsaussichten auf der CES präsentiert.

Lenovo-Vibe-Z

Eines ist jedenfalls sicher: Von Lenovo werden wir in nächster Zeit sicherlich öfter hören.

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