LTE auf dem Smartphone: Darum werden 100 MBit/s selten erreicht

Wissensartikel

lte_v5Mit LTE verbindet man generell mobiles Internet zu Spitzengeschwindigkeiten. Im Praxis-Einsatz sieht es dennoch hierzulande eher dürftig aus mit Highspeed-Netz. Warum ist das so?

Es gibt inzwischen kein aktuelles Oberklassen-Smartphone, das ohne die Schnittstelle mit den magischen drei Buchstaben angeboten wird: LTE. Sei es das Samsung Galaxy S4, das Sony Xperia Z1, das Nokia Lumia 1020, überall ist das Modul zu finden. Auch beim Apple iPhone 5S ist im Gegensatz zum Vorgänger nun LTE für die Frequenzen aller hiesigen Anbieter an Bord. 

Soweit, so gut. Hat man nun für sein heißgeliebtes Highend-Smartphone noch einen kostspieligen Vertrag bei der Telekom, Vodafone oder bei O2/Telefonica abgeschlossen, sollte dem mobilen Surfspaß mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 100 MBit/s eigentlich nichts mehr im Weg stehen.

Je mehr surfen, desto langsamer

Die Praxis sieht aber leider doch oft anders aus. Andreas Grebe vom Institut für Nachrichtentechnik an der FH Köln erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die beworbenen Datentransferraten nur selten erreicht werden.

Letztlich hängt die Geschwindigkeit davon ab, wie viele Personen im Umfeld gerade ebenfalls das Netz nutzen (je mehr desto langsamer), und natürlich, wie gut der Ausbau in der jeweiligen Gegend überhaupt vorangeschritten ist – mitunter bleibt man trotz LTE-Modul und -Vertrag gerne mal im 3G- oder gar 2G-Netz hängen. Bei O2 hat man immerhin die Möglichkeit, per virtueller Online-Landkarte zu erkennen, wo man wie gut mit LTE versorgt ist – und wo gar nicht.

Marketing-Trick

Lügen die Betreiber also? Nicht wirklich, denn mit den Wörtchen „bis zu“ greifen sie in die Marketing-Trickkiste, denn selbst bei Downloadgeschwindigkeiten von 4 MBit/s ist der Satz „bis zu 100 MBit/s“ nicht falsch. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Bundesnetzagentur hier eines Tages einschreitet und genauere Sprachregelungen oder Hinweise von den Betreibern verlangt, zumindest fordert Andreas Grebe dies.

Smartphone mit Cat 4 LTE: Das Nexus 5

Smartphone mit Cat 4 LTE: Das Nexus 5

Für die Kunden wäre es wünschenswert, vom Anbieter genau auf seine Chancen auf Highend-Geschwindigkeiten hingewiesen zu werden. Mit ein paar Angaben über die üblichen Aufenthaltsorte, wie es bei der O2-Karte möglich ist, sollten eigentlich dazu schon genügen.

Einnahmen sichern Netzausbau

Dass die Anbieter dies nicht von selbst ändern werden, dürfte klar sein – schließlich bringt der LTE-Standard über die teuren Nutzertarife das nötige Geld ein, um das Netz weiter auszubauen. Somit tragen Telekom & Co. zumindest dazu bei, dass die Versorgung mit (halbwegs) schnellem Netz auch in ländlichen Bereichen der Bundesrepublik voranschreitet.

Die Telekom geht jedenfalls schon einen Schritt weiter und wirbt für LTE mit bis zu 150 MBit/s. Davon können die neuesten Geräte profitieren, die den LTE-Cat4-Standard bieten, wie das Samsung Galaxy Note 3 oder das LG Google Nexus 5.

Zu lahm? Kyago weiß Bescheid

Kyago gibt Auskunft zur Internetgeschwindigkeit

Kyago gibt Auskunft zur Internetgeschwindigkeit

Wer selbst das Gefühl hat, die mobilen Übertragungsraten seien recht mau, kann sich mit der App „Kyago“ zumindest den (Gegen-)Beweis liefern lassen. Mit der Anwendung der Firma Zafaco kann man einen Speedtest-Starten und so die Internet-Geschwindigkeit mit dem Smartphone unterwegs testen. Die Ergebnisse kann man sich auf einer Karte anzeigen lassen und für später abspeichern lassen.

Hier geht’s zu Kyago für Android und hier zu Kyago für iOS

Fazit: Gut überlegen!

Letztlich sollte man sich als Kunde vor dem Abschluss eines preislich höher angesetzten LTE-Vertrag zunächst einmal fragen, ob man überhaupt derart schnelles Internet benötigt, oder (bis zu) 21,6 MBit/s mit HSPA im 4G-Netz vielleicht auch schon genügen. Wenn man schnelleres Netz braucht, muss man sich dennoch darüber im Klaren sein, dass die 100 MBit/s wirklich nur als Maximalwert dienen und selten tatsächlich erreicht werden können. Außerdem ist es hilfreich vorher mit dem Betreiber abzuklären, wie gut es denn um den LTE-Ausbau am Wohn-& Arbeitsort bestellt ist.

Falls ihr mehr Infos zu LTE haben wollt, empfehle ich den Beitrag meiner Kollegin „Was ist LTE?

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