Umsatzeinbruch bei Nokia: Die verdiente Tragödie

Nokia

Der einstige Weltmarktführer Nokia verzeichnet im dritten Quartal einen weiteren Absatzeinbruch. Dabei haben sie sich ihre Probleme selbst eingebrockt und verzichten noch dazu auf lukrative Nischen.

Das Nokia-Drama geht weiter: Erneut musste Steven Elop vergangene Woche bedenkliche Zahlen vorlegen. So ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,8 Milliarden Euro auf 7,2 Milliarden Euro zurück, wodurch sich der Verlust auf 576 Millionen beläuft. Vor einem Jahr stand man noch „nur“ mit 71 Millionen in der Miese. Einziger Lichtblick ist, dass man im letzten Quartal mit 826 Millionen Euro sogar noch mehr Verlust ausgewiesen hatte.

Smartphone-Absatz weiter schwach

Feature Phone Asha 311; Quelle: Nokia

Schuld an der Misere bleiben die Smartphones des finnischen Herstellers. Nur 6,3 Millionen Geräte konnten abgesetzt werden, über 10 Millionen oder 63% weniger als in Q3/2011. In Q2/2012 gingen immerhin noch 10,2 Millionen Einheiten über die Ladentheke. Nur dank der guten Handy-Verkaufszahlen in diesem Quartal (89,8

Millionen Einheiten, sprich 8% mehr als im Vorjahresquartal) konnte der totale Einbruch verhindert werden. Im Feature-Phone-Bereich ist Nokia nach wie vor noch sehr gut aufgestellt. So

Nokia Lumia 800; Quelle: Nokia

läuft die Nokia Asha-Familie weltweit und auch in Deutschland noch immer recht gut. Allerdings ist dieses Segment vom Umsatz recht unbedeutend. Dazu lag es zum Teil an Preissenkungen für viele Modelle, dass sich die Handys wieder besser absetzen ließen. Langfristig werden also auch die Handys Nokia nicht mehr retten können. Es ist also zu befürchten, dass bei meinem einstigen Lieblingshersteller die Lichter früher oder später ausgehen werden.

Falsche Prioritäten und fehlende Synergien

Für den Absturz gibt es viele Gründe. So hat man mit Windows Phone auf das falsche Pferd gesetzt. Das Betriebssystem kann mit der Android- und iOS-Konkurrenz einfach nicht mithalten, und auch die Version 8 wird das nicht ändern können. Dass es für die innerhalb des letzten Jahres erschienen Lumia-Smartphones wie das Nokia Lumia 800 und Lumia 900 kein Update auf WP 8 gibt, schreckte nebenbei Käufer ab. Das Kamera-Smartphone Nokia 808 läuft mit dem Auslaufmodell Symbian, was ebenfalls kein kluger Schachzug war. Daran können auch keine 41 Megapixel etwas ändern. Die neuen WP8-Lumias 820 und 920 haben zwar einige nette Features wie eine drahtlose Ladefunktion und im Fall des Lumia 920 eine ausgefeilte Kamera- und Soundtechnik; ob dies aber den Kunden reicht, um von einem Galaxy oder iPhone umzusatteln, ist fragtlich.

Hinzu kommt, dass die Konkurrenz konzernintern zusätzliche Synergieeffekte nutzen kann: Samsung mit Integration in die Samsung TV-Welt,

Wirkliche Innovationen bleiben auch beim Lumia 920 aus; Quelle: Nokia

aber vor allem durch den Vorsprung durch Technik, Sony mit Sony Music und Sony Pictures sowie ebenfalls der TV-Welt und Apple mit seinem tollen Brand und der Integration von iPad, iPod, iTunes und dem MAC. All das fehlt Nokia leider.

Nischen als Chance

Dabei könnte man durchaus attraktive Nischen besetzen, um mehr Marge und mehr Umsatz zu generieren und somit auch wieder mehr bei Händler und Endkunden wahrgenommen zu werden. Seien es Outdoor-Smartphones, Design-Smartphones wie damals die Flower Edition oder Premium-Smartphones wie das Nokia Oro oder Nokia 8800. Außerdem könnte man wieder Smartphones mit vollständiger QWERTZ-Tastatur ins Programm aufnehmen. Schließlich wäre ein Gratis-App-Guthaben oder eine größere Anzahl an ab Werk installierten Apps eine denkbare Möglichkeit, um seine Produkte zu bewerben.

Fazit: Alles in Allem gibt es meiner Meinung keine Aussicht auf Besserung, wenn man nicht bald auf lukrative Nischenprodukte setzt oder wirkliche Innovationen bieten kann.

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